Besitz?

Es gibt sie tatsächlich. Menschen, die mit den allernötigsten und wenigsten Gegenständen auskommen und dabei ein Leben voller Fülle und Leichtigkeit führen. Ohne Konsumdruck, ohne Schulden und mit ganz viel Platz. Georg Stövesand ist einer von ihnen. Wie das geht und warum er sich dabei so wohlfühlt, hat er Vintage Your Life erklärt.

Georg Stövesand ist Mitte 40, lebt in Dortmund und ist Unternehmer. Mit seiner Firma kümmert er sich unter anderem um professionelle Entrümpelungen. Und damit kennt er sich bestens aus. Vor rund zehn Jahren fing alles an. Damals änderte sich sein Leben privat und beruflich und infolgedessen auch räumlich und wohnlich. Für Georg Stövesand die Chance für einen Neuanfang.

Umzug als Chance

„Mit der neuen Wohnung kam die Überlegung, was jetzt?“, erinnert er sich. Und er entschied sich, kürzer zu treten: Vier Teller, vier Tassen, viermal Messer, Gabel, Esslöffel und Teelöffel. Kein Bügeleisen, keine selten genutzte Werkzeuge (die kann man bei Bedarf auch leihen), keine Duschwand (wer sich in der Badewanne ganz klein macht, spart die Wand und betreibt ein wenig Morgengymnastik). Keine Neuwagen, eine Küchenmaschine mit Grundausstattung, bei der das Zubehör nach und nach und nur bei wirklichem Bedarf gekauft wird. Sogar die Anzahl der Wäscheklammern hat er reduziert, lediglich Socken und Unterwäsche werden mit Klammern fixiert.  Der Rest drübergeworfen.

„Es geht beim minimalistischen Lebensstil darum, eigene Prioritäten zu setzen und bewusst auszuwählen. Man muss also die Dinge gründlich durchdenken. Das Geschäftskonzept von Aldi ist ein gutes Beispiel. Dort gibt es nur eine beschränkte Anzahl an Artikeln, die aber besonders sinnvoll und nützlich sind und häufig genutzt werden“, so Georg Stövesand. „Und dann geht es natürlich auch ums Wegwerfen, Entrümpeln und Loslassen. Alles, was überflüssig ist, kann weg. Meine persönliche Faustregel ist dabei, alles, das die letzten fünf Jahre nicht angefasst wurde, darf weg. Damit geht es mir sehr gut, ich habe mehr Klarheit und Übersicht in meinem Leben, mehr Platz und Geld spart man dabei auch.“

Konsum ist kein Ausgleich für ein unglückliches Leben

Über das Wohlstandsphänomen Konsum hat Georg Stövesand natürlich auch schon nachgedacht: „Für viele Menschen ist Konsum eine Art Entschädigung für ein unglückliches Leben. Vielleicht auch eine Form von Betäubung oder Flucht. Viele wissen auch gar nicht, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollen, außer zu konsumieren. Man muss es schon mit sich selbst aushalten können…“, schmunzelt Georg Stövesand. „Viele Menschen denken übrigens, dass sie unglücklich sind, weil sie immer noch zu wenig konsumieren. Dabei sind sie so unglücklich, weil sie zu viel konsumieren. Im Grund genommen wissen die meisten Leute das auch. Aber solche unbequemen Dinge werden gern verdrängt.“

Wer Minimalismus leben möchte, muss allerdings sein Leben verändern wollen und können. Und für jede Veränderung braucht es Konsequenz. „Veränderungen sind immer unbequem. Zumindest am Anfang. Sie sind so unbequem, weil man seine ganze Einstellung ändern muss, um wirkliche Veränderungen herbeizuführen. Und kaum etwas ist schwieriger, als seine Einstellungen und Gewohnheiten dauerhaft zu verändern.“

Georg Stövesand genießt heute die Früchte seiner Veränderung. „Je weniger Ballast ist mit mir herumtrage, desto mehr Schwung und Energie habe ich. Mein Leben ist leicht und fließt. Auch kann ich heute viel besser ‚Nein‘ sagen als früher. Wahrscheinlich weil ich viel mehr Klarheit habe. Außerdem spare ich auf diese Weise so viel Geld, dass ich bei Dingen, die mir wirklich wichtig sind, richtig viel Geld ausgeben kann. So kann ich mir die beste Qualität leisten.“

 

Sun-Mi Jung ist Foodbloggerin, hat südkoreanische Wurzeln und stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor kurzem hat sie die Freiheit von „Less stuff – more happiness“ entdeckt: Sie zog von 150 Quadratmern auf zwei Etagen auf 72 Quadratmeter, reduzierte 3,5 Meter Kleiderschrank (plus Handtaschen und Schuhe!) auf 1,2 Meter und ist immer noch kräftig dabei zu entrümpeln. Bei Vintage Your Life berichtet sie in der Kategorie Gerümpelfrei von ihren Erfahrungen, gibt praktische Tipps und führt Interviews mit Entrümpelungsexperten und Gleichgesinnten. Hier geht es zu ihrem Foodblog MissSeoulfood.

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