Eleganz: Verweigern, vereinfachen, finden

Jetzt räume ich ja schon eine ganze Weile auf und Sie fragen sich sicherlich, warum in aller Welt das denn soooo lange dauert? Irgendwann muss man doch fertig sein mit dem ganzen Entrümpeln und Wegschmeißen. Ganz einfach. Jedes Mal nach einer groß angelegten Aufräumaktion stelle ich nach einiger Zeit fest, dass noch viel Luft nach oben ist. Ich noch weniger Dinge brauche, als ich vorher geglaubt hatte. Das merke ich allerdings erst einige Zeit NACH solch einer Aufräumaktion. Das zeigt mir, dass mir das Loslassen, Wegräumen und Entrümpeln von Gegenständen doch nicht so leicht falle

Mein Leben ist einfacher, wesentlicher und elegant geworden
Aber trotzdem habe ich schon jede guter Folgen erfahren. Drei Sachen fallen mir besonders auf und machen mir am meisten Spaß. Erstens: Mein Leben ist einfacher geworden. Dadurch bin ich viel weniger gestresst. Ich muss mich nicht mehr um so viele Dinge gleichzeitig kümmern und mein Kopf ist nicht mehr so voll.  Manchmal ist er sogar nahezu leer. Sehr gutes Gefühl! Zweitens: Mein Leben ist wesentlicher geworden. Dadurch bin ich zufriedener, weil ich mich immer mehr mit Dingen beschäftige, die mir WIRKLICH etwas bedeuten. Man glaubt ja gar nicht, mit welchen Dingen man sich aus reiner Gewohnheit beschäftigt (Langweiliges, aber vertrautes Essen essen, doofe TV-Sendungen schauen, Shopping aus Langeweile… ). Und drittens: Meine Wohnung und mein Kleiderschrank sind doch tatsächlich eleganter geworden. Und diesen dritten Aspekt möchte ich heute näher erklären. (Aspekt eins und zwei folgen demnächst.)

Wahrscheinlich ist die neue Eleganz, die auf so wundersame Weise in mein Leben Einzug gehalten hat, eine logische Konsequenz von Entrümpelung. Denn „Eleganz ist Verweigerung“. Ein Zitat von Coco Chanel. Und diese Frau war ja wohl der Inbegriff der Eleganz. Also, weglassen, was das Zeug hält. Klingt einfach, ist es aber natürlich nicht. Denn „Weglassen“ bedeutet ja vor allem, eine sorgfältige Auswahl zu treffen, was bleiben darf und was gehen muss…  Coco meinte sicherlich nicht, dass wir nur noch in weiten Jogginghosen und mit ungekämmten Haaren durch die Welt gehen.

Aber es geht noch weiter mit der Eleganz. In der Mathematik gilt ein Beweis als „elegant“, wenn er möglichst einfach und klar eine Aussage trifft. Schlicht, unaufdringlich – so gilt die „Einfachheit als höchste Stufe der Vollendung.“ Das hat übrigens Leonardo da Vinci gesagt. Auch er wusste, dass Einfachheit überhaupt nichts mit Einfachheit zu tun hat. (Was für ein Paradox!) Sondern eher mit der Zusammenfassung komplexer Zusammenhänge. Aber da Vinci war ja auch ein Genie…

Ach ja, was das jetzt mit meiner Wohnung zu tun hat? Nun, je einfacher meine Besitztümer gestrickt sind, desto vielseitiger kann ich sie einsetzen und desto WENIGER brauche ich von ihnen.  Das fängt bei weißen T-Shirts an und endet bei hochwertigen Körperpflegeölen, die man sowohl  für die Hand-, Fuß-, Ellenbogen-, Knie- und Lippenpflege benutzen kann, als auch als Haarkur und als Deo einsetzen kann. Ich sag nur, Kokosöl…

Die Leichtigkeit der Eleganz
Drittes Merkmal von Eleganz. Die Leichtigkeit. Und wir wissen alle, damit etwas endlich leicht fällt oder auch nur so aussieht, muss man in der Vergangenheit schwer dafür oder auch damit gekämpft haben. Leichtigkeit ohne Können, Wissen und Erfahrung ist schwierig zu erlangen. Okay, Talent spielt sicher auch eine Rolle. Sollte aber nicht überbewertet werden… „Finden, ohne den Anschein zu erwecken, gesucht zu haben“, ist das dazu passende Zitat von Paul Valéry. Und genau dieser unangestrengte Look ist es, der mich so beeindruckt, wenn ich hochwertige Bildbände von stylischen  Häusern, Wohnungen und Einrichtungen bewundere! Alles passt zusammen, greift ineinander und alles sieht dabei so lässig, ungekünstelt und natürlich aus, als gehörte es in diese Wohnung.

Zugegeben. Vor allem der letzte Punkt ist noch in weiter Ferne. Ich bin noch bei der Verweigerung (Wegschmeißen, aber auf gar keinen Fall das Falsche!) und entdecke dabei immer mehr die Einfachheit. Einfachheit ist schließlich eine unausweichliche Konsequenz von Verweigerung. Denn die wenigen Dinge, die ich besitze, MÜSSEN multifunktional und am besten zeitlos sein. Ich will ja eben nicht für jeden Anlass einen anderen Gegenstand haben. Das gelingt vor allem bei Kleidung und Deko mit den sogenannten Basics. Lässt sich aber auch bestimmt auf andere Bereiche ausweiten. Zum Beispiel Küchenmesser…

Und das mit der unangestrengten Leichtigkeit kommt bestimmt auch noch. Irgendwann. Ich halte Sie auf dem Laufenden!

 

Sun-Mi Jung ist Foodbloggerin, hat südkoreanische Wurzeln und stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor kurzem hat sie die Freiheit von „Less stuff – more happiness“ entdeckt: Sie zog von 150 Quadratmern auf zwei Etagen auf 72 Quadratmeter, reduzierte 3,5 Meter Kleiderschrank (plus Handtaschen und Schuhe!) auf 1,2 Meter und ist immer noch kräftig dabei zu entrümpeln. Bei Vintage Your Life berichtet sie in der Kategorie Gerümpelfrei von ihren Erfahrungen, gibt praktische Tipps und führt Interviews mit Entrümpelungsexperten und Gleichgesinnten. Hier geht es zu ihrem Foodblog MissSeoulfood.

 

 

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One thought on “Eleganz: Verweigern, vereinfachen, finden

  1. Adriane

    Von dieser Eleganz bin ich meilenweit entfernt: Gebrauchsgegenstände sind das Eine. Aber ich habe anscheinend die Neigung, Emotionen an Dinge zu heften, so dass bei mir Vieles herum steht oder liegt, das eine persönliche Bedeutung für mich hat. Diese Dinge wegzuschmeißen würde mir sehr schwer fallen..

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