Freiheit, die ich meine

„Freiheit“, nennt Jan Rudkowski den einzigen und besten Grund, warum er sein Leben umgestalten will. Der 54-jährige Frührentner lebt im Ruhrgebiet und kann aufgrund mehrerer Handicaps (unter anderem eine starke Sehbehinderung und Folgen eines Schlaganfalls) nicht mehr arbeiten. Er ist nach eigenen Worten „tagesformabhängig“ fit. Bereits vor 30 Jahren hat er angefangen, sein Leben zu entrümpeln, zu reduzieren und zu minimalisieren. Denn bereits in jungen Jahren fiel ihm auf, dass wir so viele Dinge kaufen, die wir eigentlich gar nicht wirklich brauchen und uns von der Konsumindustrie regelrecht eingeredet werden …

Heute lebt Jan Rudkowski auf 40 Quadratmetern. Und lebt damit die Idee des sogenannten „Tiny House“, also Wohnen auf komprimiertem Raum. Kleidungs- und hausrat-technisch sieht es bei ihm sehr übersichtlich und praktisch aus. Und sogenannten Krimskrams hat er mittlerweile komplett aus seinem Leben verbannt: „Mein Umfeld weiß, dass ich keine materiellen Geschenke haben möchte“, berichtet Jan Rudkowski. Nur CDs und LPs haben jede Menge Platz in seiner Wohnung. „Ich bin zwar sehr konsumkritisch. Das bedeutet aber nicht, dass ich nichts mehr kaufe und keine Hobbys habe. Im Gegenteil. Ich bin Hobbyastronom, gern in der Natur und ich liebe Musik. Und dafür gebe ich auch Geld aus.“

Die bewusste Auswahl, anstatt spontanen Impulsen nachzugeben macht für ihn den Unterschied. Und Jan Rudkowski ist noch lange nicht am Ziel. „Ich möchte mobiler werden. Nicht mehr so stark an einen Ort gebunden. Gern für wenige Jahre an einem anderen Ort leben. Und dann wieder umziehen. Das geht natürlich am besten ohne Möbel …“.

Und auch darüber hat er sich schon Gedanken gemacht: „Wohnen auf Zeit“, so will der mittelfristig leben. Gern auch auf wenig Raum, denn „ich möchte gern drinnen wenig und draußen viel. Sprich in einem Umfeld, das mich bereichert und auch viel Natur bietet. Dafür weniger Möglichkeiten zum Konsumieren, denn Gelegenheit macht Käufer.“

Alternativ denkt er darüber nach, in den Sommermonaten die meiste Zeit auf einem Campingplatz zu verbringen. Hier ist der Lebensstil im Tiny House schließlich schon lange Programm. Weil er jedoch seine Wohnung behalten wird, wird dieses Modell letztlich teurer für ihn sein. „Aber dafür lebe ich gesünder und bewusster. Und ich erlebt viel mehr Freiheit.“

 

 

Sun-Mi Jung ist Foodbloggerin, hat südkoreanische Wurzeln und stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor kurzem hat sie die Freiheit von „Less stuff – more happiness“ entdeckt: Sie zog von 150 Quadratmern auf zwei Etagen auf 72 Quadratmeter, reduzierte 3,5 Meter Kleiderschrank (plus Handtaschen und Schuhe!) auf 1,2 Meter und ist immer noch kräftig dabei zu entrümpeln. Bei Vintage Your Life berichtet sie in der Kategorie Gerümpelfrei von ihren Erfahrungen, gibt praktische Tipps und führt Interviews mit Entrümpelungsexperten und Gleichgesinnten. Hier geht es zu ihrem Foodblog MissSeoulfood.

 

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