Haute cuisine – eine Kulturform für Minimalisten

Die Franzosen machen vieles richtig. Die Frauen sind immer elegant, schlank und weiblich, der Käse ist der beste der Welt und Kochen gehört dort zur Lebensart.

Hier in Deutschland habe ich den Eindruck, dass die Menschen glauben, gutes Essen gehe zwangsläufig einher mit einer erheblichen Gewichtszunahme. Doch das muss nicht so sein. Die „cuisine française“ führt in der Regel nicht dazu, dass die Menschen zunehmen, da es kleine Portionen gibt. Die aber von hoher Qualität sind. Was nicht bedeutet, dass die cuisine française unerschwinglich ist.

Für den Franzosen ist die cuisine, also das Kochen und Essen das Beste vom Besten für einen kleinen Kreis von Kennern. In diesem Sinn wird die Haute cuisine in Frankreich stolz als eigenständige Kunstform und nationales Kulturgut betrachtet, die das ganze kulinarische Universum umfasst. Mit einem Glas Rotwein in der Hand gemeinsam zu kochen gehört dort zur Lebensart. Die Ansprüche an die Qualität sind hoch. Die Zutaten sind frisch und unverarbeitet, der Tisch ist schön gedeckt, Essen aus Pappschalen im Stehen ist unvorstellbar.

Das wichtigste, wenn Sie exquisit kochen wollen, ist die Kenntnis der Zielgruppe. In meinem Fall vier kleine bis halberwachsene Experten, die schonungslose Kritik äußern. Doch in den letzten 20 Jahren, in denen ich diese Zielgruppe wirklich kennengelernt habe, kann ich Ihnen sagen: Kinder haben Vorlieben, die über den Genuss von Pommes rotweiß weit hinausgehen.

Unser aktuelles Highlight ist die französische „soup de pommes de terre“, ein exclusives Gericht aus feinsten Kartoffeln, Zwiebel, Knoblauch, Möhren, Ingwer, bei Gefallen Pastinaken oder Steckrübe. Eventuell noch eine Chilischote oder Pfefferkörner und Frühlingszwiebeln, fein geschnitten, beigeben. Alles anschwitzen in gutem Olivenöl und mit Wasser aufgießen. 30 min köcheln, würzen mit Meersalz.

Zeitaufwand zum Schneiden etwa 10-15 Minuten, Kosten für die Lebensmittel unter 5 Euro. Reicht für mindestens zwei Tage, je nachdem, wie viel Sie kochen und wie oft und wie viele davon essen. Und das Vorbereiten und Kochen der Mahlzeiten ist eine schöne Beschäftigung.

Mir gefallen Suppen, deren Inhalt ich erkennen kann, mein Sohn präferiert die von ihm höchstpersönlich pürierte Variante. Und hat sich sofort notiert, wie die Suppe zu kochen ist, um sie bei nächster Gelegenheit nachzukochen. Und dann kann ich, mit dem Weinglas in der Hand, daneben stehen und mich auf unsere „La cuisine bourgeoise“ im Dortmunder Vorort freuen.

Bon Appetit. Cuisine geht auch mit knappem Budget.

 

Petra Wiemer hat sich Zeit ihres Lebens für Lernen und persönliche Entwicklung interessiert. Sie ist heute als Bildungswissenschaftlerin im Bereich Weiterbildung tätig. Als Mutter von vier Kindern ist sie Expertin in der Vereinfachung komplexer Sachverhalte. Vor kurzem ist sie mit ihren Kindern in ein altes Haus gezogen und hat die Erkenntnis gewonnen, dass Reduzieren die Qualität erhöhen kann, sofern die Lebenseinstellung positiv ist. Jetzt muss sie nur noch ihre Kinder von diesem neuen Lebensstil überzeugen. Ihre Erfahrungen beschreibt sie in der Kategorie Minimalismus mit Kindern.

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