Konsum

Häufig höre oder lese ich, dass die Menschen in Deutschland nicht mit ihrem Geld auskommen. Als Gründe werden Arbeitslosigkeit, Scheidung und damit einhergehend der Status alleinerziehend und auch Beschäftigung in Teilzeit genannt. Aber auch viele „Normalverdiener“ kommen wohl nicht mehr mit ihrem Budget aus und fühlen sich arm.

Das ist ganz schön traurig. Arm trotz Arbeit. Arm ohne Schuld. Arm wegen Kindern. Natürlich könnte man jetzt das System, genauer gesagt den Staat, dafür verantwortlich zu machen und mehr Umverteilung fordern. Sie wissen schon, Prinzip Robin Hood. Nehmt es den Reichen und gebt es den Armen.

Ich habe aber eine bessere Idee. Sie können von jetzt auf gleich reich sein.

Wie wäre es denn, nicht das Einkommen zu steigern. Sondern die Ausgaben zu senken?

Nicht möglich? Wir leben schon am Limit? Wo sollen wir noch sparen? Wir wollen uns auch etwas gönnen. Bei unserem stressigen Leben.

Sie sollen ja auch gar nicht verzichten. Aber vielleicht doch Ihre Ausgaben überdenken. Und im besten Fall sogar anfangen, so etwas wie Vermögen aufzubauen.

Kennen Sie den Unterschied zwischen Konsumieren und Investieren?

Eine Investition ist alles, was über kurz oder lang eine Rendite und damit mehr Geld einbringt. Punkt. So gesehen ist schon ein Sparbuch eine Investition. Es bringt zwar nur eine winzige Rendite. Aber wenn man durch Rücklagen die Aufnahme eines teuren Kredits verhindern kann, sieht die Sache schon ganz anders aus. Ein guter Orientierungspunkt ist übrigens der Zinssatz am Kapitalmarkt – aktuell ca. 3 % für Festgeld. Ein gutes und effizientes Unternehmen sollte eine Eigenkapitalrendite von 10 bis 15 Prozent erreichen. Wie hoch ist eigentlich Ihre Eigenkapitalrendite?

Ein selbst bewohntes Eigenheim, eine Woche auf Mallorca, ein Auto auf Pump (eigentlich alles auf Pump), eine Küche für mehr als 3.000 Euro, ein Thermomix. Das alles sind KEINE Investitionen. Sondern Konsumausgaben. Sie kosten Geld. Und bringen keine Einnahmen. Am schlimmsten finde ich aber die Tatsache, dass sie uns nicht nachhaltig glücklich machen.

Sie befriedigen unser Ego. Sie sind ein Statussymbol. Sie versetzen uns in einen süßen Kaufrausch. Sie machen uns glauben, dass wir reich sind. Und machen uns in Wirklichkeit nur armer. Auch sogenannte Sparangebote machen uns nicht reicher. Schließlich haben wir trotz allem wieder (unnütz?) Geld ausgegeben. Und weil der Rausch nach so kurzer Zeit verflogen ist, müssen wir uns unbedingt etwas Neues kaufe …

Und noch eine Sache hält mich davon ab, mehr oder weniger sinnlos zu konsumieren. Das Geld für diese Ausgabe wurde von mir (oder wenn ich Glück habe, von jemand anderem aus meinem Haushalt) verdient und anschließend versteuert. Für jeden Gegenstand, den ich mir kaufe, um mich ungefähr fünf Minuten lang an ihm zu erfreuen (okay, ich übertreibe …), zahle ich dann NOCHMAL fast 20 Prozent Mehrwertsteuer.

Der Staat freut sich, und verteilt das ganze Geld um. (Robin Hood!!) Unter anderem zahlt er damit das Studium von Millionärskindern … (Solange das Studium in Deutschland kostenlos ist, sollte jeder halbwegs begabte Mensch eines absolvieren. Eine bessere Investition als Bildung gibt es nicht. Und das gilt nicht nur ökonomisch. Haben Sie schon mal etwas von kulturellem und sozialem Kapital gehört? Erkläre ich Ihnen beim nächsten Mal.)

Dürfen wir jetzt gar nicht mehr konsumieren?

Natürlich nicht. Erstens halten Sie das ohnehin nicht durch. Machen wir uns mal nichts vor. Dann könnten Sie ja gleich ins Kloster gehen.

Außerdem müssen wir schon die Weltwirtschaft in Gang halten. Ansonsten bricht hier alles zusammen und wir haben Anarchie. Das geht tatsächlich am besten über Konsum. Zumindest hier im Westen sind alle Grundbedürfnisse nämlich gedeckt. Auch die von Hartz 4-Empfängern.

Aber vielleicht kann man sein Konsumverhalten doch ein wenig verändern? Ich frage mich zum Beispiel bei jedem Kauf, bringt mich dieser Gegenstand weiter? Macht mich dieses Kleid schöner? (In der Regel nein. Professionell gezupfte Augenbrauen aber schon.) Kann ich besser kochen und schöneres Essen genießen, wenn ich die Küche für 8.000 Euro statt für 3.000 kaufe? Tue ich meinem Körper, meiner Gesundheit und meinem Gaumen etwas Gutes, wenn ich überteuertes, künstliches Fastfood im Food Court der Shopping Mall esse? Oder sind die selbstgemachten Bratkartoffeln mit frischem Salat nicht doch besser, leckerer, gesünder?

Man muss ja nicht päpstlicher sein als der Papst. Gönnen Sie sich ruhig etwas. Aber denken Sie vorher drüber nach.

Oder wollen Sie wirklich dem Sohn ihres Chefs das Studium bezahlen?

 

Dr. Cordula Grüner ist Unternehmensberaterin für junge, aufstrebende Unternehmen. Geld ist ihr Thema: Wie kann man aus „wenig“ möglichst „viel“ machen? Als Unternehmensberaterin hat sie bereits Ordnung in das Portemonnaie hunderter Kunden gebracht. In der Kategorie Geld erklärt sie, wie man Geld einteilt, entscheidet, wofür man es ausgibt und  seine Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht bringt. Mehr Infos über Dr. Cordula Grüner unter BBR Betriebs-Beratung Ruhr.

 

 

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4 thoughts on “Konsum

  1. Schöner Beitrag.
    Wer massiv sparen will, dem empfehle ich ein minimalistisches Leben.
    Sprich Verzicht auf alles unnötige und nur das günstigste vom günstigen kaufen(auch bei den Lebensmitteln).

    Ich denke aber eine gesündere Form wäre es, sich erst einmal aufzulisten wo monatlich das gesamte Geld hin geht, und dann eine Entscheidung zu treffen, ob diese kosten wirklich nötig sind. Neben dem Konsum kommen hierzu ja auch unnötige Fixausgaben wie Abo von Zeitschriften oder FitnessStudio Abo(wo man dann nur 1x im Monat hin geht).
    Um das ausfindig zu machen, kann man z.B. ein Digitales Haushaltsbuch zur Auflistung aller Monatlichen Kosten verwenden.
    Fakt ist jedoch, wer keinen Überblick über seine Ausgaben hat, kann auch schwer etwas daran ändern.

  2. Sarah

    Das selbstgenutztes Wohneigentum eine Konsumausgabe darstellt, will sich mir nicht erschliessen.
    Der restliche Artikel schon.
    Ist bestimmt sehr hilfreich, falls man das eigene Kaufverhalten noch nie reflektiert hat.

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