Mein Umstieg auf Mehrwegbecher

Schon als Kind habe ich mich für Umweltschutz und Müllvermeidung interessiert. Kein Wunder, denn meine Kindheit war geprägt von Berichten über sauren Regen, dem immer größer werdenden Ozonloch und nicht zuletzt von der großen atomaren Katastrophe, die mit Tschernobyl über die Welt kam. Plötzlich war etwas in die heile Welt um mich herum eingebrochen und ganz nah und greifbar.

Nicht nur die Erwachsenen auch wir Kinder wurden plötzlich nachdenklich. Der Regen war nicht nur sauer, sondern auch noch mit etwas Unsichtbarem verseucht. In der Schule wurde auf einmal überlegt, ob wir Kinder bei Regen das Gebäude verlassen durften oder sogar nachmittags drinnen ausharren sollten.

Ich will einen Beitrag leisten

Früh stand daher für mich fest: Ich will einen Teil dazu beitragen, dass so etwas nicht wieder passiert und die Welt mit meinem Handeln ein Stück weit besser machen. Auch heute treibt mich dieser Gedanke an, wenn auch, wie ich zugeben muss, in der Umsetzung mal mehr oder weniger konsequent. Abgesehen vom gesellschaftspolitischem Engagement, dem ich einen hohen Stellenwert einräume, sind es auch die kleinen Dinge die zählen.

Im letzten Jahr hat es mich mal wieder gepackt und ich habe überlegt, wie ich einigen eingeschliffenen Gewohnheiten an den Kragen gehen kann. Da ist bspw. der Coffee to go, der quasi als Synonym unserer Zeit das Nachdenken geradezu verbietet, denn wir haben es ja alle so unendlich eilig. Auch ich habe an dieser Stelle schon öfter ein Auge zugedrückt und mir diesen Kaffee auf dem Weg wohin auch immer gegönnt. Damit sollte nun Schluss sein!

Was ich bei Wasser schon länger praktiziere, sollte nun auch hier umgesetzt werden: Ein wiederverwendbarer und auch auslaufsicherer Behälter sollte her. Nach einer kurzen Recherche bin ich fündig geworden und habe den idealen Becher für mich erstanden.

Dieser ist seit seiner Anschaffung auch tatsächlich mein regelmäßiger Begleiter geworden. Erstaunlicherweise wird er nun auch oft von mir mit heißem Tee befüllt und natürlich für Kaffeegetränke verschiedenster Art genutzt. Ist es bei Coffeeshops und Kaffeehäusern recht unkompliziert, den Becher befüllen zu lassen, gestaltet sich das jedoch in vielen Bäckereien leider etwas schwieriger.

Gibt es hygienische Bedenken?

Viele Verkäufer  werden nämlich von ihrem Arbeitgeber angewiesen, die Befüllung von Mehrwegbechern aus hygienischen Gründen zu unterlassen. Meist hilft etwas gutes Zureden und es wird ein Auge zugedrückt. In seltenen Fälle greife ich zu der absurden Maßnahme, mir den Kaffee erst in eine Tasse füllen zu lassen, um ihn dann selber umzuschütten. Das ist ein wenig frustrierend, da nicht wirklich umweltschonend und widerspricht natürlich komplett meinem eigentlichen Ansinnen, daher hoffe ich, das hier irgendwann ein Umdenken stattfinden.

Dennoch treibt mich die Frage an: Sind diese Bedenken der Bäckereibetreiber wirklich haltbar oder ist es gar gesetzlich verboten, Mehrwegbecher zu befüllen? Die Antwort auf Letzteres: Nein. Eine gesetzliche Regelung gegen die Befüllung von Mehrwegbecher gibt es nicht. Im Gegenteil es existieren mittlerweile in vielen Städten und Bundesländern wie in Freiburg, Hamburg und Hessen  Konzepte, die Nutzung von Mehrwegbechern zu befördern.

Klare Regelungen schaffen Abhilfe

Die Bedenken, die viele Bäckereibetreiber aus hygienischen Gründen haben, sind zwar nachvollziehbar, doch könnte hier durch klare Regelungen Abhilfe geschaffen werden. Bspw. hat die Deutsche Umwelt Hilfe zusammen mit dem Hessischen Umweltministerium eine Handlungsempfehlung ausgearbeitet, die den Ausschank von Heißgetränken in Mehrwegbehältern absichern soll. Auch wenn diese gewiss noch verbesserungswürdig ist, ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Ich freue mich jedenfalls über meinen Thermobecher und kann gar nicht mehr zählen, wieviel Müll ich durch seine Verwendung schon vermieden habe.

 

 

Hildegard Mihm ist Kulturwissenschaftlerin. Sie interessiert sich insbesondere für Alltagskultur und aktuelle Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung. Seit kurzem bloggt sie aber auch über Lebensmittel-Fermentation und den Prozess ihrer Memorierung auf ihrem Blog  Fermentationspace. Schon von klein auf hat sie sich für Umweltschutz eingesetzt. Bei Vintage Your Life widmet sie sich in der Kategorie Müllvermeidung Fragen der Nachhaltigkeit.  Sie wirft einen Blick auf Details, die den Minimalismus im Alltag betreffen und zu einer nachhaltigeren Lebensweise führen.

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