Reduce to the max

Eleganz  und  Einfachheit  sind die beiden großen Vorteile, die laut Vintage your Life Gerümpel-Autorin Sun-Mi Jung das Entrümpeln und Aufräumen mit sich bringen. Viel wichtiger findet sie jedoch den dritten Aspekt. Konzentriertheit.

„Reduce to the max“  lautete der Slogan einer Automarke, die ein besonders kleines und kompaktes Auto produziert. Das Auto fasziniert mich bis heute. Vor allem, wenn es in der Innenstadt quer in einer winzigen Parklücke steht. Der Slogan fasziniert mich jedoch nicht minder. Immer weiter abrüsten und immer mehr reduzieren, bis das Maximum an Qualität, Komfort und Funktionstüchtigkeit erreicht ist. Ein Saucenfond wird ja auch immer weiter eingekocht, bis das Maximum an Geschmack erreicht ist … (Sie sehen schon, ich koche gern.).

Das viele Aufräumen hat jetzt nicht nur dazu geführt, dass meine Wohnung „reduced to the max“ ist. Das ist lediglich die Oberfläche, das Außen. Was aber auch schon toll ist. Das ganze Wegwerfen hat tatsächlich zu einer Inventur meines Lebens geführt. Was kann weg, weil es schon lange nicht mehr gebraucht oder geliebt wird. (Mitgliedschaften, Newsletter, nerv-tötende Zeitfresser). Das mit dem „geliebt werden“ sollte man übrigens nicht unterschätzen.

Was nicht geliebt wird, kann nicht wachsen und gedeihen … Es beginnt zu faulen und macht früher oder später Probleme. Das beginnt mit einer Zimmerpflanze und endet bei Mitmenschen. Und glauben Sie mir, Mitmenschen spüren SOFORT ob sie geliebt werden, oder nicht.

Der eigene Körper gehört übrigens auch dazu. Die meisten Menschen in meiner Umgebung wundern sich, warum ich mit über 40 noch so rank und schlank bin, obwohl ich überdurchschnittlich viel esse. Nun, ich liebe gutes Essen und liebe meinen Körper. Ich nähre und pflege ihn innerlich und äußerlich mit lauter guten Sachen. Das ist alles.

Was kann bleiben?

Viel spannender ist jedoch die Frage, was kann bleiben? Weil es mir viel bedeutet, weil es mich glücklich macht, weil  ich es sinnvoll finde, weil ich es benutze, damit mein Leben einfacher oder auch nur schöner wird. Letztlich, weil ich es liebe. Übriggeblieben sind nur noch Dinge und Tätigkeiten, die mir echte Freude machen. Auch Jobs und Kunden. Nichts ist schlimmer als ein Auftrag oder ein Projekt, bei welchem die Rahmenbedingungen nicht passen. Um mich selbst zu zitieren.  Was nicht geliebt wird, kann nicht wachsen und gedeihen …

Können Sie sich einigermaßen vorstellen, wie sich mein Leben gerade zum Positiven verändert? Wenn man nur noch Dinge und Aufgaben um sich herum hat, die einem etwas bedeuten? Wenn man sich von allem trennt, was einem nicht gut tut und was man nicht liebt? Klingt konsequent? Ist es auch. Ein bisschen Mut gehört auch dazu. Aber sonst könnte es ja auch jeder …

Vor allem muss man aber auch genau in sich hineinhorchen, um zu spüren, was man wirklich liebt. Ja, genau. Man kann es nicht wissen, man kann es nur fühlen. Und deshalb kann auch niemand anderes wissen, was man wegwerfen und was man behalten sollte.

Ich frage mich immer. Ist das jetzt wirklich gut für mich? Innerlich und äußerlich? Kurzfristig und langfristig? Bringt es mich in irgendeiner Weise weiter? Habe ich einen echten Nutzen, der länger hält als drei Minuten nach dem Kauf? Ist es vielleicht nur eine Ersatzbefriedigung? Habe ich ein gutes Gefühl dabei, oder kaufe/mache ich das nur, um andere zufriedenzustellen. Und sei es nur mein Ego, das sich einfach nur durchsetzen will, wie ein dreijähriges Kind an der Supermarktkasse…

Letztlich geht es darum, die eigenen, wahren Bedürfnisse wahrzunehmen. Losgelöst von äußeren, oberflächlichen Normen.

Ist nicht so einfach.

Aber Sie schaffen das schon!

 

Sun-Mi Jung ist Foodbloggerin, hat südkoreanische Wurzeln und stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor kurzem hat sie die Freiheit von „Less stuff – more happiness“ entdeckt: Sie zog von 150 Quadratmern auf zwei Etagen auf 72 Quadratmeter, reduzierte 3,5 Meter Kleiderschrank (plus Handtaschen und Schuhe!) auf 1,2 Meter und ist immer noch kräftig dabei zu entrümpeln. Bei Vintage Your Life berichtet sie in der Kategorie Gerümpelfrei von ihren Erfahrungen, gibt praktische Tipps und führt Interviews mit Entrümpelungsexperten und Gleichgesinnten. Hier geht es zu ihrem Foodblog MissSeoulfood.

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