Small is beautiful

Das Gute vorweg: Ich verspreche Ihnen ein Abendessen mit Freunden, zwölf Stunden geschenkte Freizeit und ganz ehrliches, analoges Social Life!
Warum? Es ist vor allem dem, wie ich finde, sehr positiven aktuellen Trend geschuldet: Wohnen soll zukünftig nämlich – vor allem in den Städten – kleiner und damit bezahlbarer werden. Und soll trotzdem chic und urban sein. Klingt das nicht toll? Das ist auf jeden Fall das Ziel derjenigen, die sich im großen Stil mit Wohnungsbau beschäftigen. Mir gefällt‘s, denn das ist auch meine Idee vom Wohnen der Zukunft. Helle, offene und urbane Architektur – auf das Wesentliche beschränkt.

Seit meiner Kindheit ging der Trend jedoch eher in die andere Richtung: Häuser, Wohnungen und die einzelnen Räume sind eigentlich immer nur eines: gewachsen. Anders als in den großen internationalen Metropolen, lieben wir Deutschen doch unsere großzügig geplanten Eigenheime! Wohnen im XXL-Format. Im freistehenden Einfamilienhaus im kolonialen Hacienda-Stil, in der Doppelhaushälfte mit pastelliger Putzfassade oder im Reihen-Endhaus mit getrimmter Korniferenhecke. Verrückt.
Aber, auch wenn Sie das jetzt nicht hören möchten. Eines ist gewiss: Vor allem in unseren Städten können wir uns das alles bald nicht mehr leisten. Es wird schlicht und ergreifend zu teuer! Freunden Sie sich am besten jetzt schon mal mit dem Gedanken an: Wohnraum muss zukünftig kleiner werden, damit wir Miete und Energiekosten langfristig auch bezahlen können. Machen Sie sich jetzt Sorgen? Müssen Sie nicht. Ganz im Gegenteil, denn Architekten oder wir selbst können diese optimierten Wohnräume ganz intelligent gestalten. Mit viel Stauraum, integrierten Schränken und schlau designten Bädern. Mit offenen und flexibel nutzbaren Räumen und großen Fenstern. Glauben Sie mir, Sie vergessen schnell, dass der ein oder andere Quadratmeter fehlt. Viel besser noch: Die Miete sinkt, Sie sparen und können das Gesparte in ein Abendessen mit lieben Freunden investieren. Tolle Aussicht, nicht wahr?!

Weiterer Vorteil für Sie: Zeitersparnis. Weniger Quadratmeter heißt eben auch: Wir müssen weniger putzen! Ich weiß, es geht Ihnen auch so. Eigentlich finden Sie nichts schrecklicher als den wöchentlichen Hausputz. Ich persönlich muss zwar nur rund 80 Quadratmeter „schoonmaken“ … wie die Holländer sagen. Ist das nicht ein tolles Wort? Es meint saubermachen oder putzen. Also, wenn ich zum Beispiel 20 Quadratmeter weniger Fläche habe, dann spare ich wöchentlich, na, ich sage mal etwa 15 Minuten. Das klingt erst mal nicht viel, aber in einem Jahr kommen rund zwölf Stunden zusammen. Herrlich. Ein ganzer Tag Zeit für meine Lieblingsbeschäftigung. Ich setze mich dann ins Auto und fahre mit meinem Liebsten einen Tag nach Holland ans Meer. Chillen, die Seele baumeln lassen und den Sonnenuntergang genießen! Na, haben Sie jetzt auch schon ein Bild vor Augen, was Sie mit diesem geschenkten Tag anfangen werden?

Und ich habe noch ein Bonbon für Sie: Wenn wir zukünftig weniger Platz haben, dann rücken wir automatisch enger zusammen mit unseren Familien und unseren Partnern. So wie im Urlaub. Ich bin mir sicher, das kennen Sie auch. Wenn ein Hotelzimmer oder ein kleines Ferienapartment zum temporären Zuhause werden. Klein, aber fein und mit dem besonderen Charme, dass wir unsere Lieben schlicht und ergreifend viel mehr sehen und zusammen schöne Dinge erleben. Gemeinsam spielen, kochen, erzählen in einer ganz ehrlichen und analogen sozialen Welt. Klingt ein bisschen „vintage“, hat aber eine bestechende Qualität, wie ich finde.
„Wie Menschen denken und leben, so bauen und wohnen sie“, hat Johann Gottfried von Herder, der deutsche Kulturphilosoph und Theologe, mal gesagt. Wie wäre es, wenn wir nun den Spieß einfach mal herumdrehen und die Vorzüge des optimierten Wohnens nutzen: gemeinsam mit unseren Freunden, mit mehr Freizeit und nettem Offline-Austausch?! In diesem Sinne: viel Spaß!

 

Nicola Leffelsend ist Expertin für Kommunikation und Online PR, lebt in Bochum und hat die Perle im Revier nach Stopps in New York und Köln zu ihrer Wahlheimat erkoren. Sie liebt Architektur und Kunst und unterstützt als PR Beraterin Unternehmen dieser Branchen darin, Struktur in ihre Kommunikation zu bringen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Die richtigen Zielgruppen finden und spannende Geschichten erzählen. Bei Vintage Your Life schreibt sie in der Kategorie Wohnen über aktuelle Trends, Zukunft des Wohnens und den Zauber von Struktur und Reduktion in den eigenen vier Wänden. Mehr zu ihr auf XING.

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2 thoughts on “Small is beautiful

  1. Adriane

    Schöner Artikel – schöne Aussichten!

    Holland ist nicht nur wegen der Nordsee inspirierend. Auch in Sachen Wohnen: passend zu den vielen kleinen Häuschen gibt es dort auch entsprechend süßes & kleines Interieur zu entdecken. Ich stöbere in den stilvollen Möbelgeschäften immer wieder gern und lasse mich inspirieren.

    Wir leben zu zweit mit Hund in einer 60 qm Wohnung. Das ist schön kuschelig und viele Gäste fühlen sich sehr wohl, weil es , wie sie sagen, ein bißchen wie im Urlaub ist.

    Dafür haben wir eine geräumige Terrasse (unser Wohnzimmer im Sommer) und einen Garten – unsere kleine Oase im Trubel der Großstadt. Ein seltenes Geschenk, für das wir sehr dankbar sind und das uns das täglicheUrlaubsfeeling zu Hause beschert..

  2. Sehr treffend geschrieben! Ich selbst bin Ende 2010 von 120 m² Masionette- Wohnung in ein 1- Raum Apartment umgezogen. Ich habe dort alles, was ich brauche, inklusive einer schönen Terrasse von 20 m²! Von den meisten Möbeln und anderen Sachen hatte ich mich getrennt, nur das wirklich Nötigste mitgenommen. Dadurch fühle ich mich befreit von Ballast und habe das Gefühl , mein Wohnraum ist mein Schloss, mein Wohlfühl-Schloss! Und hier ist auch Platz für Freunde, wir rücken halt zusammen und genießen gemütliche Stunden!

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