Zu viel Unterhaltung?

Um das Loslassen ging es in meinem letzten Artikel. Und zwar nicht nur bei materiellen, sondern auch bei nicht-materiellen Dingen. Wie zum Beispiel dem permanenten Wunsch nach Unterhaltung.

Ich persönlich liebe Unterhaltung. Gutes „Entertainment“ wurde sozusagen für mich erfunden. Gute Unterhaltung vertreibt Langeweile, sie regt meinen Geist an, sie beflügelt mich. Zumindest, wenn sie gut gemacht und kreativ ist. Das kann ein gutes Buch sein, ein toller Film, eine flotte Fernsehserie, ein geistreicher Comedian, wie Dieter Nuhr. „Kreativität ist Intelligenz, die Spaß hat“. Mit platten Witzen kann ich hingegen nichts anfangen. Die finde ich eher öde …

Was ich lästig finde

Bislang habe ich nicht verstanden, was an dem permanenten Wunsch nach Unterhaltung so schlecht sein sollte. Und was das Ganze mit Gerümpel zu tun hat. Na ja, manchmal habe ich eben ein echtes Brett vor dem Kopf. Aber eigentlich liegt es ja auf der Hand. (Zu viel) Unterhaltung, bzw. Entertainment bedeutet:

  1. Mehr Gerümpel. Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, DVD, CD, Spiele, sogar VIDEOKASSETTEN verstopfen ganze Regalwände. Nach einmaliger (oder auch zweimaliger) Benutzung werden sie in die Ecke gelegt und für immer vergessen – nehmen aber weiterhin jede Menge Platz weg.
  1. Mehr Langeweile. (Auch, wenn ich mir jetzt selbst widerspreche!) Ich habe letztens mit dem Veranstalter eines Feriencamps für Kinder gesprochen. In diesem Camp lernen die Kleinen, wie man Feuer macht, zeltet, Erste Hilfe leistet, einen Kompass benutzt, Stockbrot backt und sich im Wald zurechtfindet. Survival for Kids. Abenteuer pur. Die Kinder sind völlig begeistert von diesem Camp und vermissen weder den Pool im spanischen Pauschalurlaub, noch den Kinoabend mit Popcorn und Fastfood. Beides (also der Pauschalurlaub und das Kino) macht auf Dauer auch eher träge und bequem. Langweilig ist das Ganze auch noch und Erfolgserlebnisse kann man auch nicht verbuchen, wenn einem alles mundgerecht vorgesetzt wird.
  1. Keine Zeit und kein Platz für eigene Kreativität. Je mehr wir uns von außen berieseln, zerstreuen und unterhalten lassen, desto weniger Energie und Ideen haben wir für unsere eigene Kreativität. Wer kreativ und schöpferisch sein will, braucht Leere, Stille, eben Muße. Um eigene Gedanken fassen und diesen Ausdruck verleihen zu können. Erst so können „Kunstwerke“ entstehen. Und diese müssen noch nicht einmal künstlerisch „wertvoll“ sein. Schönheit liegt schließlich im Auge des Betrachters. Hauptsache, Sie haben Spaß.

 

Sun-Mi Jung ist Foodbloggerin, hat südkoreanische Wurzeln und stammt aus dem Ruhrgebiet. Vor kurzem hat sie die Freiheit von „Less stuff – more happiness“ entdeckt: Sie zog von 150 Quadratmetern auf zwei Etagen auf 72 Quadratmeter, reduzierte 3,5 Meter Kleiderschrank (plus Handtaschen und Schuhe!) auf 1,2 Meter und ist immer noch kräftig dabei zu entrümpeln. Bei Vintage Your Life berichtet sie in der Kategorie Gerümpelfrei von ihren Erfahrungen, gibt praktische Tipps und führt Interviews mit Entrümpelungsexperten und Gleichgesinnten. Hier geht es zu ihrem Foodblog MissSeoulfood.

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